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HomeReviewGrave Digger – The Living Dead
Das Cover des Grave Digger-Albums "The Living Dead"

Grave Digger – The Living Dead

Das Cover des Grave Digger-Albums "The Living Dead"

Wertung
4.5/7 Punkten


Info
VÖ: 14.09.2018
Label: Napalm Records
Spielzeit: 00:45:31


Line-Up
Chris Boltendahl – Vocals
Axel Ritt – Guitar
Jens Becker – Bass
Marcus Kniep – Keyboard
Stefan Arnold – Drums


Tracklist
Fear Of The Living Dead
Blade Of The Immortal
When Death Passes By
Shadow Of The Warrior
The Power Of Metal
Hymn Of The Damned
What War Left Behind
Fist In Your Face
Insane Pain
Zombie Dance
Glory Or Grave [Bonustrack]

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GRAVE DIGGER verstanden es schon immer, sich neu zu erfinden – nicht nur musikalisch, sondern auch, was das Drumherum betrifft. Das wird umso deutlicher, seit sich die Truppe von historisch inspirierten Konzeptwerken weithin verabschiedet hat und so trifft das Publikum mit jedem Albumzyklus auf eine neue Version von Chris Boltendahl und Co.. Auch für „The Living Dead“ haben sich GRAVE DIGGER einmal mehr einen anderen Anstrich verpasst, wobei das diesjährige Thema passend zum Titel eben Zombies sind. Zugegeben nicht gerade originell, aber ist halt gerade in…

 

„Auf ‚The Living Dead‘ fühlen sich GRAVE DIGGER offenkundig niemandem außer sich selbst verpflichtet.“

 

Musikalisch bedeutet „The Living Dead“ eine ähnlich drastische Kurskorrektur wie „Clash Of The Gods“, mit dem sich die Band bereits vor einigen Jahren auf experimentelleres Terrain vorwagte. „Experimentell“ lautet die Devise auch 2018, denn GRAVE DIGGER machen hier ganz bewusst Vieles anders. Schon der Opener „Fear Of The Living Dead“ wartet zwar unmissverständlich mit kanckigem Teutonen-Riffing auf, allerdings geht es schon in der Strophe in eine ganz andere Richtung, als der typische GRAVE DIGGER-Sound erwarten lässt und der hymnische, eingängige Refrain sorgt sodann für einen weiteren Kontrast. Genau diese Unvorhersehbarkeit bzw. das bewusste Vermeiden Band-typischer Strukturen prägt „The Living Dead“ maßgeblich. Auch „Blade Of The Immortal“ kontrastiert tonnenschweren Groove mit einem monolitischen Chorus und das wahnsinnig brachial einsetzende „When Death Passes By“ schlägt so manchen unerwarteten Haken. Richtig abgefahren wird es dann in „Insane Pain“, das mit hektischen 80er-Synthies direkt aus dem „Blade Runner“-Soundtrack einsetzt und im Mittelteil mit einem reichlich schrägen Zitat der Hendrix-Nummer „Hey Joe“ überrascht. Und die abschließende Polka-Metal-Melange „Zombie Dance“, für die sich die Band gar die Hilfe von RUSSKAJA holte, ist ohnehin der Gipfel der Anarchie. Während es GRAVE DIGGER so definitiv gelingt, ihren Sound frisch zu halten, kann das bisweilen arg chaotisch wirken und erschließt sich oftmals erst nach mehreren Durchläufen so richtig – auch in der Geschichte der Gladbecker hat es solche Momente schon früher gegeben, jedoch sind nur wenige ihrer Platten so sperrig wie „The Living Dead“. Für eine Band wie GRAVE DIGGER, die von außen gerne als in ihrem typischen Sound festgefahren wahrgenommen wird, ist der Wunsch, nicht auf der Stelle zu treten jedoch ebenso nachvollziehbar wie ehrbar und Chris Boltendahl und seiner Mannschaft gelingt es mit ihrem neuen Album in jedem Fall, sich von einer anderen Seite zu zeigen. Und das kann ja auch richtig gut funktionieren: In „Hymn Of The Damned“ eschließt die Truppe mit gekonnt platzierter Zweistimmigkeit, einem ruhigen Instrumentalteil und den erwähnt großen Refrains ebenfalls neues Terrain, allerdings passt hier einfach alles und die Nummer reißt von Anfang bis Ende mit. Wirklich traditionelle GRAVE DIGGER-Songs gibt es auf „The Living Dead“ kaum, allenfalls „Shadow Of The Warrior“, das überraschenderweise gar nicht klischeebelandene „The Power Of Metal“ [geil: erinnert an „Life Is Life“] und „What War Left Behind“ fallen in diese Kategorie, wobei die Formation auch hier bemüht ist, nicht zu sehr nach Schema-F zu arbeiten. Sucht man einen roten Faden, so muss das Fazit also lauten, dass auf „The Living Dead“ keinen wirklichen roten Faden gibt – am ehesten könnte man urteilen, dass GRAVE DIGGER hier stärker als in der Vergangenheit auf große, hymnische Refrains setzen – ob das nun passt, oder nicht.

 

Auf „The Living Dead“ fühlen sich GRAVE DIGGER offenkundig niemandem außer sich selbst verpflichtet und scheren sich deshalb beim Songwriting auch nicht im Geringsten darum, was man von ihnen erwarten könnte. Das ergibt ein Album, auf dem die Truppe dank massiver Riff-Wände nach wie vor wie GRAVE DIGGER klingt, ansonsten jedoch jegliche Corsage zu vermeiden weiß. „The Living Dead“ benötigt daher mehrere Durchläufe, um sich entfalten zu können, was hier bei manchen Songs besser als bei anderen klappt. So oder so ist es ebenso beeindruckend wie schön zu sehen, dass bei Chris Boltendahl und seiner Truppe nach wie vor Potential und Mut zur Entwicklung vorhanden ist.

Thomas Meyns / 14.09.2018

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