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HomeInterviewsHaemorrhage – Luisma

Haemorrhage – Luisma

Soeben stolperte Lugubrious noch im holländischen Tilburg blutüberströmt auf die Bühne und bekam von Luisma – immerhin nicht promovierter Doktor – nicht die geringste Hilfestellung verpasst, schon zog das spanische Quintett mit allerlei Leichenteilen im Gepäck in den Untiefen des Wiener Escape ein, um den dreizehnten Geburtstag der bundeshauptstädlichen Location zu feiern. Wobei: Ausnahmsweise war man zu viert, ließ sich Gitarristin Ana aufgrund von Problemen an ihrer rechten Hand entschuldigen … Vor ihrem Auftritt trafen wir noch den sympathischen Chefdoktor Luisma auf einen angeregten Plausch, im Zuge dessen wir nicht nur beschlossen, die Beine eines der Journalisten (natürlich im Dienste der Gesundheit) zu brechen, sondern auch über Frauenquote und vegane Ernährung sprachen. In dem Sinne: Wohl bekomm’s!

Robert Fröwein: Gemeinsam mit AVULSED nehmt ihr die Speerspitze der spanischen Death-Metal-Szene ein. Was bedeutet das für dich?

Zu allererst heißt das, dass ich schon alt bin (lacht). Zum anderen war über viele Jahre hinweg diese brutale Form von Heavy Metal bei uns nicht sehr en vogue, und ich war schlichtweg einer der Wenigen, der die Courage dazu hatte, seiner Liebe auch wirklich nachzugehen. Vor HAEMORRHAGE spielte ich ja auch in AVULSED, von daher habe ich mit beiden Bands Pionierarbeit geleistet. Vielleicht sollte man mir eine Statue errichten (lacht)?

RF: Neben Cristiano Ronaldo.

Ja, wir befinden uns definitiv auf einer Stufe – auch finanziell (lacht).

RF: War es eine Herausforderung, als Spanier internationale Anerkennung zu bekommen? Immerhin liegen die Epizentren woanders, als in Madrid …

Die größte Herausforderung ist daheim, in Spanien, Anerkennung zu bekommen – so komisch sich das jetzt auch anhört. Nicht nur die Medien, auch die Menschen selbst übersehen einheimische Bands gerne einmal – da gilt es als allererstes und oberstes Qualitätsmerkmal, dass du aus dem Ausland kommst. Erst seit vier oder fünf Jahren werden wir in Spanien auch wirklich anerkannt, erkennt man unseren Status, den wir in anderen Ländern Europas oder auch in Übersee bereits etwas länger haben. Im Jänner haben wir in Madrid, im Sala, gespielt und wir haben endlich einen Club ausverkauft – knapp 100 Leute mussten wir bei der Abendkasse leider wieder nach Hause schicken! Das wäre vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen.

RF: Gab es da einen bestimmten Punkt in eurer Karriere wo dir klar wurde, dass HAEMORRHAGE den Zahn der Zeit getroffen haben?

Ich glaube, das Internet hat viel dazu beigetragen, dass wir uns einen Namen machen konnten. Die Printpresse war bei uns eine kleine Mafia – wenn du keine Anzeigen gebucht hast, hast du auch keine Plattenkritik bekommen, geschweige denn eine wohlwollende oder faire! Denen haben wir den Mittelfinger gezeigt – und auch unserem damaligen Label Morbid Records gesagt: Steigt ja nicht auf deren Vorgaben ein! Mich interessiert es einen Scheißdreck, was der spanische Metal Hammer über HAEMORRHAGE denkt – wichtig ist, was Fans wie ihr zwei von unserer Musik halten. Wir wurden also von der spanischen Metal-Presse wie Aussätzige behandelt, als aber dann das Internet die Tore zu Welt öffnete, war plötzlich alles anders – auch, weil die Spanier draufkamen, wir spielen zuhause zwar die kleinen Clubs, aber irgendwo in Europa schon die ganz, ganz großen Festivals! Und plötzlich fing ein Umdenken an … Es gibt nichts Besseres, als wenn du deine Informationen plötzlich von der gesamten Welt ziehen kannst und nicht mehr auf dein eigenes, kleines Biotop daheim angewiesen bist!

Stefan Baumgartner: Überall auf dieser Welt sitzen diese geifernden Fotzenknechte herum, die immer und überall nach einer Frauenquote schreien. Nun, es ist nichts Neues, dass die Heavy-Metal-Szene eine Männerdomäne ist und man die Frauen zuvorderst im Publikum sieht und nicht gerne lediglich gar nur als „Groupie“, denn als Fan erachtet. Nichts desto trotz habt ihr mit deiner Frau Ana – die heute leider nicht dabei sein kann – auch einen weiblichen Band-Anteil …

Ja, Ana befindet sich aktuell leider im Spital – sie hat Probleme mit ihrer rechten Hand und kann die Finger nicht wirklich schließen. Ich fürchte das Schlimmste, ihre ältere Schwester hat man auch an beiden Armen operieren müssen, es könnte also etwas Erbliches sein, und ich sehe schwarz, dass sie bald wieder absolut genesen sein wird. Aber natürlich denke ich erstmal positiv und hoffe, dass sie schnell wieder Gitarre spielen kann – immerhin wollen wir in ein, zwei Monaten unser nächstes Album aufnehmen.

SB: Übersende ihr doch bitte beste Genesungswünsche – aber: Birgt das besondere Vor- oder Nachteile, eine Frau in der Band zu haben?

Es hat Vor- und Nachteile, würde ich sagen. Manchmal habe ich persönlich mit ihr eine Unterstützerin an meiner Seite, die mir beisteht und hilft, Probleme zu bewältigen, und dann gibt es wieder Momente, in denen wir uns lieber aus dem Weg gehen würden – oder ganz blöd formuliert: auch einmal gerne ohne dem anderen etwas unternehmen würden. Aber unterm Strich passt es für mich.

SB: Das heißt, ihr seid auch nicht gefeit davor, Probleme von zuhause in den Proberaum – und umgekehrt – zu nehmen?

Stimmt. Aber nicht nur die Probleme, das wäre jetzt zu einseitig – wir schreiben zuhause gemeinsam an neuer Musik und üben, kümmern uns um diverse Bandbelange, und so weiter. Wir leben HAEMORRHAGE, und demnach auch in unseren eigenen vier Wänden.

SB: Du hast auch zwei kleine Kinder – wissen die, was ihre Eltern aufführen?

Ja, klar. Also, sie haben immer schon gewusst, dass wir Musik machen, aber als sie noch ganz klein waren, haben wir ihnen natürlich keine blutüberströmten Bilder und Videos von uns gezeigt (lacht). Jetzt sind sie schon alt genug, um das auch zu verstehen – mein Sohn ist etwas älter, er ist 12, und er steht voll auf KING DIAMOND oder auch THE MISFITS, ihm ist klar, dass das nur gespielt ist. Wenn Fernando, unser Sänger, bei uns daheim ist, dann ist er natürlich nicht blutüberströmt, da merken sie schon, dass hinter all den Masken und dem Blut wirklich normale Menschen am Musizieren sind (lacht), dass alles nur Show ist.
Auf der anderen Seite zwingen wir unsere Kinder aber auch nicht, dass sie unsere Musik, beziehungsweise Heavy Metal generell, hören müssen – das wäre ein fataler Fehler! Mein Sohn hört zum Beispiel gerne THERION, die gefallen mir überhaupt nicht. Aber das ist seine Entscheidung. Meine Tochter hingegen mag fast gar keinen Metal, nur KISS hört sie ab und zu ganz gerne.

RF: Sollte Ana tatsächlich nicht mehr Gitarre spielen können, kann euer Sohn sie ja künftig ersetzen …

(lacht) Nein, nein. Die Gitarre beherrscht er auch nicht, aber er hat eine wunderbare Stimme – ganz wie seine Mutter, nicht wie ich (lacht). Er singt selbst schwerste QUEENSRYCHE-Passagen mühelos nach! Mal schauen, ob er das nach dem Stimmbruch auch noch so hinbekommt, denn dann hat er wirklich Talent!

SB: Parallelen zu Größen wie AUTOPSY und CARCASS sind bei euch nicht zu verleugnen. Welche Veröffentlichungen von ihnen würdest du als die jeweils stärksten erachten?

Definitiv die frühen, die ersten beiden von CARCASS und „Severed Survival“ von AUTOPSY. Da war der Sound zwar vielleicht nicht immer der beste, aber diese Alben haben selbst mehr als 20 Jahre später noch Relevanz! Allerdings muss ich auch dazu sagen: Viele meinen, HAEMORRHAGE wären ein Abbild von CARCASS, dem ist definitiv nicht so! Unser erster Schlagzeuger Emilio war ein großer CARCASS-Fan, das stimmt schon, aber mich haben TERRORIZER zum Beispiel viel stärker beeinflusst, oder auch DEATH, BOLT THROWER, EXTREME NOISE TERROR und IMPETIGO, oder auch viele schwedische Death-Metal-Bands wie CARNAGE, ENTOMBED und NIRVANA – also nicht die Grunge-Band mit Kurt Cobain, sondern die Death Metaller aus Edsbyn.
Nicht zu vergessen auch PUNGENT STENCH aus Österreich. Ich habe mir damals, als gerade die Split mit DISHARMONIC ORCHESTRA veröffentlicht wurde, sogar selbst ein T-Shirt designt und gedruckt, weil es bei uns nichts von PUNGENT STENCH gab (lacht). Sie waren damals noch gänzlich unbekannt, und ich glaube, ich war der einzige im ganzen Land, der die damals schon vergöttert hat (lacht). 1990 sah ich sie dann mit MASTER und ABOMINATION bei uns, das war großartig – und sowohl die Split wie auch „For God Your Soul … For Me Your Flesh“ zählen für mich zu den prägendsten Genre-Veröffentlichungen überhaupt!

RF: Kennst du die Herren dahinter persönlich?

Ja, ich kenne sowohl Alex, als auch Martin und weiß, dass die beiden irgendwelche Streitigkeiten haben, aber ich komme mit beiden gut klar. Martin treffe ich ja hie und da, wenn er mit seiner Band auf den Festivals spielt, wo wir auch zugegen sind …

RF: Ihr habt bereits auf den prestigeträchtigsten Genre-Festivals und demnach mit vielen Szenegrößen gespielt. Hast du noch „Rechnungen“ offen?

Ja, mit IMPETIGO würde ich gerne einmal spielen.

SB: Bevor ihr euch auf den Namen HAEMORRHAGE geeinigt habt, formiertet ihr als DEVOURMENT – mit der Idee, euer Textkonzept einem Kochbuch anzulehnen. Nur, dass Menschen statt Tiere verwurstet werden sollten. Würdest du Mensch essen, wäre es nicht illegal?

Nun, es ist aber illegal … (lacht). Die Idee damals war, aufzuzeigen, was wir Tieren eigentlich antun, welche Schmerzen wir ihnen zufügen – und zwar so, dass es der Mensch auch versteht und nachvollziehen kann, nämlich am eigenen Körper. Und so haben wir uns vorgestellt, wie es wäre, wenn wir statt einem Schwein einem gegrillten Menschenbaby einen Apfel ins Maul stecken, oder dass statt Eiern menschliche Embryos verzehrt werden. Das alles war auf einer Idee von Emilio gewachsen, er war ein bisschen verrückt im Kopf (lacht) – intelligent, aber eben durchgeknallt. Aber ich wollte das dann schließlich mehr auf der Pathologie aufgebaut haben, unser Konzept, von daher sind wir von der ursprünglichen Idee abgekommen.

SB: Es ist mittlerweile Teil der modernen Popkultur, sich vegetarisch oder gar vegan zu ernähren. Siehst du, als Banddoktor, es als vernünftig an, auf Tierisches im Ernährungsplan zu verzichten?

Ich weiß nicht. Zwar ernährt sich keiner von uns vegetarisch oder gar vegan, aber ich respektiere diese Ernährungsformen. Ich gestehe, mir fällt es schwer, auf Fleisch zu verzichten, auch wenn mir das Tierleid nahe geht. Ana und ich versuchen, so wenig Fleisch wie möglich zu essen und wenn, dann unterstützen wir biologische Produkte. Ich glaube, eine überwiegend vegetarische Ernährungsform wirkt sich auch positiv auf den Körper aus – andererseits ist der Mensch immer noch ein Allesfresser. Allerdings: Ich bin kein Doktor, erst in wenigen Stunden, wenn ich auf der Bühne stehe (lacht).

SB: Versetz dich aber trotzdem bitte noch kurz in deine Bühnenpersönlichkeit: Robert hier hat einen kaputten Knöchel und eine Zerrung von seinen Kreuzbändern. Ist da etwas, das ich unter Freunden tun kann, um seine Schmerzen zu lindern?

Wir könnten ihm einfach beide Beine brechen (lacht).

SB: Von Mengele bis Frankenstein: Welcher berühmte Doktor hat am meisten Eindruck bei dir hinterlassen?

Andreas Vesalius. Er wär ein flämischer Anatom der Renaissance und gilt als Begründer der neuzeitlichen Anatomie und des morphologischen Denkens in der Medizin. Er war Leibarzt von Karl V und Philipp II. von Spanien, von ihm stammt das berühmte Buch „De humani corporis fabrica libri septem“. Das ist ein typographisch ausgestattetes Lehrbuch, das etwa 200 Körper-Illustrationen zeigt.

SB: Nur allzu oft im Leben werden wir vor die berühmte Gretchenfragen gestellt, in der Musik zum Beispiel „BEATLES oder THE ROLLING STONES?“ oder „METALLICA oder MEGADETH?“. Ebenfalls im Grindcore – da stellt sich oft die Frage: Porngrind oder Goregrind, singen wir lieber übers Ficken oder übers Zerstückeln. Warum hast du dich der Leichenfledderei zugewandt?

Viele Porngrind-Bands degradieren Frauen, wenn auch nur im Scherz, und das ist nicht meins. Da heißt es immer: „Fickt die Frauen ins Arschloch, pisst auf sie“ – das muss nicht sein. Frauen sind keine Objekte, die man erniedrigt – für mich nicht einmal humoristisch. Mir ist schon klar, dass Bands wie GUT das nicht ernst meinen, aber viele nehmen solche Texte dann für bare Münze. Wir behandeln in unseren Texten alle Menschen gleich, wir schneiden sie alle auf (lacht) – was natürlich nicht heißt, dass wir in HAEMORRHAGE nicht auf ficken stehen, das schon (lacht).

SB: Ziehst du die Kettensäge oder das Skalpell vor?

Eindeutig das Skalpell!

RF: Hast du einige abstruse Krankengeschichten auf Lager, die dir tatsächlich widerfahren sind?

Klar! In Spanien entscheidest du dich mit 18 zwischen Heer oder Sozialarbeit – und ich habe mich für zweites entschieden, weil ich mir meine Haare nicht abschneiden wollte. Ich wurde dann für 13 Monate beim Roten Kreuz eingeteilt – und da siehst du, wenn du zu zum Beispiel zu Verkehrsunfällen oder Unfällen am Bau gerufen wirst, schon einige grauenhafte Dinge. Eines Tages kamen wir zu einem Unfall, Kollegen waren jedoch schon vor Ort. Normalerweise musst du Unfallopfer immer sehr behutsam bergen, die Polizei stresste unsere Kollegen jedoch, weil es ein stark befahrener Highway war und man die Straße möglichst rasch wieder freigeben wollte … Der Rettungswagen mit einem der Opfer befand sich also schon auf dem Weg ins Krankenhaus, als mir ein bei den Pedalen eingequetschter Stiefel im Auto auffiel – und im Stiefel steckte noch ein Teil des Fußes, der offensichtlich im schnellen Bergungsvorgang abgetrennt oder vergessen wurde! Also bargen wir den Fuß, legten ihn auf Eis und fuhren ebenfalls ins Krankenhaus (lacht).
Oder weniger blutrünstig: Auf „Hospital Carnage“ haben wir einen Song, der heißt „Hospital Thieves“. Ich wurde beim Roten Kreuz von meinem Chef immer dazu angehalten, in den Krankenhäusern diverse Utensilien mitgehen zu lassen – also keine Medikamente, aber Handschuhe, Mundschutz und so ein Zeug. In „Hospital Thieves“ wird das natürlich künstlerisch überhöht, da geht es um Organe, die Patienten gestohlen werden – aber die Idee für den Song fußt auf der Wirklichkeit (lacht).

RF: Ist euch als Band selbst auch einmal etwas Krankes widerfahren?

Bei einem Konzert, ich weiß nicht mehr, wo es war, zog sich ein fanatischer Fan einen seiner Schuhe aus und warf ihn auf die Bühne …

SB: Mit oder ohne seinem darin steckenden Fuß?

(lacht) Ohne. Aber er traf Ana und brach ihr einen Finger. Oder erst kürzlich sprang in Spanien ein Typ von der Bühne und hat sich dabei das Bein gebrochen – da stehen also falsche Doktoren auf der Bühne, während echte Doktoren einen Verletzten aus dem Publikum ziehen, irgendwie skurril. Zu den Frühzeiten schockierten eher wir das Publikum, weil man da noch nicht wusste, dass wir blutüberströmt auf die Bühne marschieren – allerdings spielten wir gerade erst in Tilburg, am Netherlands Deathfest, und selbst da fragte ein Security Lugubrious, ob alles in Ordnung mit ihm sei, als er auf die Bühne wollte … (lacht)

SB: Nachdem wir zuvor gerade das Bein als Thema hatten: Erst kürzlich stieß ich in den Untiefen des Internet auf eine Nachbildung eines menschlichen Beins, das am Stumpf eine eingelassene Vagina zur Selbstbefriedigung hatte … Hast du Körperteile oder Organe, die dir besonders – Achtung Wortwitz! – ans Herz gewachsen sind?

So nicht wirklich, aber ich hätte gerne die Gitarre von der Band aus „From Dusk Till Dawn“ – die finde ich ziemlich geil (lacht). Ein menschlicher Rumpf ist schon etwas Geiles zum Spielen (lacht).

SB: Was ist der effizienteste Weg, eine Leiche verschwinden zu lassen?

Indem du sie einäscherst oder in ein Säurebad wirfst!

RF: Schwarzer Humor ist bei HAEMORRHAGE ein wichtiges Stilmittel – darf Humor alles?

Absolut. Das Problem ist nur, dass viele Menschen das dann für bare Münze nehmen – so wie zuvor angesprochen im Porngrind, oder auch im Black Metal. Auch dazu gibt es eine Geschichte: Wir spielten einmal in Kroatien, und nach der Show kam ein Typ daher, der meinte, er könne uns eine Leiche besorgen, eine echte. Wir lehnten natürlich freundlich, aber bestimmt ab – aber er bestand fast darauf: „Nein, wirklich – kein Problem! Wenn ihr eine echte Leiche haben wollt, braucht ihr es nur zu sagen!“ Das ist genauso bescheuert, wie Kirchen anzuzünden – man kann darüber fantasieren, aber man muss so einen Blödsinn nicht tatsächlich tun. Die Gedanken sind immer noch frei …

RF: Abgesehen vom zuvor angesprochenen Erniedrigen von Frauen: Gibt es Themen, die bei HAEMORRHAGE keinen Platz haben?

Kindesmisshandlung hat bei uns auch keinen Platz – da bin ich noch sensibler als beim Thema Gewalt gegen Frauen. Ich glaube, wenn mir da jemand blöd käme, bräche ich ihm das Gesicht.

SB: Könntest du dir vorstellen, deinem Pathologen auch ein ganzes Comic zu widmen?

Ich habe einige fertige Strips, aber noch nicht genügend Material für ein ganzes Heft – und zurzeit komme ich nicht wirklich dazu, da hat HAEMORRHAGE Vorrang. Aber die Idee ist da und vielleicht wird es ja einmal was.

SB: Dereinst planten EXHUMED eine Collection zu veröffentlichen, auf der Death-Metal-Bands Popsongs performen sollten – aus dem Projekt wurde zwar leider nichts, ihr nahmt jedoch das TINA TURNER-Cover „Proud Mary“ auf und veröffentlichtet es auf „Grume“. Was ist das peinlichste – oder besser: ungewöhnlichste Stück Musik, das man dich unter der Dusche oder am Klo pfeifen hören könnte?

Ich kann dir keinen einzigen Popsong nennen – unter der Dusche singe ich IRON MAIDEN, Popmusik höre ich gar nicht (lacht). Diesen Song hat uns damals unser Schlagzeuger eingeredet und uns gefiel diese einmalige Geschichte – aber abgesehen davon habe ich wirklich keine Ahnung von Pop, wenn ich Musik höre, ist es Heavy Metal oder Punk, alles andere geht bei einem Ohr rein, und beim anderen wieder raus.

RF: Ist es, nach 25 Jahren, schwer, sich noch für die Musik und den anstrengenden Lebensstil wie den von HAEMORRHAGE zu motivieren?

Nein, das einzige Problem ist nur, neue Musik zu schreiben – dir dabei selbst treu zu bleiben, dich aber nicht zu wiederholen.

SB: Du hast es ja bereits angesprochen, demnächst stehen euch die Aufnahmen zum „Hospital Carnage“-Nachfolger ins Haus.

Genau, in ein oder zwei Monaten möchten wir ins Studio gehen. Je nachdem, wann wir tatsächlich fertig sind, könnte Relapse unser neues Album gegen Jahresende dann veröffentlichen.

RF: Möchtest du uns exklusiv vorab schon den Titel verraten?

Das Album wird „We Are The Gore … We Are The Sickness“ heißen – der Titel ist inspiriert von MICHAEL JACKSONs „We Are The World … We Are The Children“ (lacht).

cosmogonos, Froewe / 08.03.2016

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