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HomeReviewIhsahn – Àmr
Ihsahn Amr

Ihsahn – Àmr

Ihsahn Amr

Wertung
5.0/7 Punkten


Info
VÖ: 04.05.2018
Label: Spinefarm Records
Spielzeit: 00:43:49


Line-Up
Ihsahn – alle Instrumente, Gesang


Tracklist
Lend Me The Eyes Of The Millenia
Arcana Imperii
Sámr
One Less Enemy
Where You Are Lost And I Belong
In Rites Of Passage
Marble Soul
Twin Black Angels
Wake

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Wenn mich gelegentlich jemand fragt, wer mein musikalisches Idol ist oder meine Lieblingsband, dann überlege ich immer kurz (aber nur aus Show, ich kenne die Antwort ja schon seit Jahren) und sage dann: Ihsahn. Emperor. Und das stimmt sogar, ich kenne nachwievor niemanden, der dem Genius dieses damals noch blutjungen Mannes und dem, was er auf den ersten drei, vier EMPEROR-Veröffentlichungen geschaffen hat, im Black Metal auch nur nahekommt. Seine Solokarriere hat mich allerdings nicht so richtig angefixt. Die letzten beiden Alben habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, einmal durchgehört, mehr ging nicht.

 

Ein rundes, reifes und vor allem hörenswertes Werk.

 

Aber „Àmr“ ist anders, es ist nicht mehr so zwanghaft verschroben, vertrackt und strukturlos, wie ich „Das Seelenbrechen“ und „Arktis.“ empfunden habe. Klar, mit EMPEROR hat das alles gar nichts mehr zu tun, muss es ja auch nicht. IHSAHN ist ein modernes, düsteres Prog-Metal-Projekt, vergleichbar mit dem Schaffen Devin Townshends. Nur eben ganz anders. Generell ist IHSAHNs Soloauftritt mit wenig vergleichbar, das ich kenne. Als ich unlängst seine Aussage las, er wolle mit jedem neuen Werk versuchen, das düsterste denkbare Album zu erschaffen, musste ich kurz nicken. Das kommt hin. Nun ist „Àmr“ aber nicht düster durch Geschwindigkeit, extreme Schreie oder Burgkeller-Sound. Passend zum Coverartwork umweht das Album eine elegante, nachdenkliche, stilvolle Aura der inneren und äußeren Dunkelheit, der erwachsenen Nachdenklichkeit,s verpackt in einen druckvollen, sehr klaren Sound. Die in ihrer Anlage gar nicht unbedingt extrem komplexen Songs sind auf ihrer Grundlage aber trotzdem behutsam finster aufgebaut, mit eigensinnigen Riffs, subtiler Synthetik, viel Klavier und noch mehr cleanem Gesang. Gerade letzterer verleiht der Platte ungeahnte Ohrwürmer, die definitiv eher Pop als Black Metal sind. Glaubt ihr nicht? Hört euch mal „Twin Black Angels“ an. Mehr Prog-Ballade geht kaum, mehr depressive Sehnsucht gleichzeitig aber auch kaum.

 

Sicherlich muss man mit „Àmr“ streckenweise noch ein wenig kämpfen. Andererseits sind Songs wie „One Less Enemy“, der recht elektronische Mitreißer „In Rites of Passage“ oder „Where you are lost and I belong“ – mehr Collage als Song – ein Paradebeispiel dafür, wie man mit bekannten Mitteln trotzdem noch überraschend neuartige obskure Musik schaffen kann. Überhaupt entpuppen sich beim genauerem Hinsehen viele Tracks der Platte vor allem der zweiten Hälfte als richtig gute Stücke, die ich als besser empfinde als vieles, das mir von den vorigen Alben in Erinnerung geblieben ist. Wer danach immer noch nach EMPEROR schreit: „Wake“, der Rausschmeißer, könnte definitiv auch ein verlorenes „Prometheus“-Stück sein. Nicht übel. Und ja: Es gibt Blast Beats! Von daher: Ein rundes, reifes und vor allem hörenswertes Werk. Hätte ich nicht gedacht. Da kann ich meiner Standardantwort noch ein „(…), übrigens gefällt mir sein letztes Zeug auch wieder richtig gut!“ hinzufügen, das klingt dann nicht so retro.

Florian Dammasch / 04.05.2018

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