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HomeReviewIn Extremo – Quid Pro Quo

In Extremo – Quid Pro Quo

In Extremo - Quid Pro Quo

 

 

 

 

 

Wertung:

6.5/7

Info:

VÖ: 24. Juni 2016

Label: Vertigo

Spielzeit: 00:42:40

Line-Up:

Michael Rhein – Gesang
Van Lange – Gitarre
Die Lutter – Bass
Flex der Biegsame – Dudelsack, Drehleier
Yellow Pfeiffer – Dudelsack, Nyckelharpa
Dr. Pymonte – Harfe, Dudelsack
Specki T.D. – Schlagzeug

Tracklist:

01. Störtebeker
02. Roter Stern
03. Quid Pro Quo
04. Pikse Palve
05. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
06. Flaschenteufel
07. Dacw ‚Nghariad
08. Moonshiner
09. Glück auf Erden
10. Schwarzer Rabe
11. Sternhagelvoll

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„Besser denn je“

Wir schreiben das Jahr 2000, Mittelaltermarkt Hamburg-Bergedorf. Eine Gruppe illustrer Spielleute zeigt, was sie drauf hat. Es macht einfach nur Laune, zumal der Schreiber dieser Zeilen gerade zuvor durch „Weckt die Toten“ auf IN EXTREMO aufmerksam wurde. Nein, keiner dachte damals daran, dass eben diese Truppe nicht nur wegweisend im Mittelalter-Metal werden, sondern zudem auch noch bei einem Majorlabel landen und zum Chartbreaker avancieren würde. So ist es aber nun gekommen, die Jubiläumsparty zum 20-jährigen Bestehen fand im letzten Jahr auf der Loreley statt, und zwar mit viel Brimborium. Und Anno 2016 folgt, wie könnte es anders sein, das nächste Album. Nach zwar durchweg passablen bis guten, aber nicht immer hochkarätigen Alben soll es „Quid Pro Quo“ nun also richten.

Eine Mischung aus alldem, was IN EXTREMO in ihrer bisherigen Karriere erschaffen haben, so wird es angepriesen. Die Messlatte wird dadurch künstlich hochgehalten und so manch gestandener Künstler ist durch derlei Vorgabe schon mal gescheitert. Frei nach dem Motto, wenn uns schon nichts Neues mehr einfällt, bedienen wir uns halt bei uns selbst. Doch in diesem Fall, die sechs vor dem Komma belegt dies, hat man damit ein wirklich gutes Händchen bewiesen. Denn auf „Quid Pro Quo“ wird kein alter Aufguss serviert, sondern schlicht und einfach haufenweise Hits. Mal in dem Stil, den wir aus den letzten Jahren kennen, wie zum Beispiel beim Opener „Störtebecker“ oder bei „Moonshiner“ oder doch mal etwas rustikaler wie bei „Pikse Palve“, dass vom Aufbau und vom Stimmungsfaktor doch an das legendäre „Villeman Og Magnhild“ angelehnt scheint und dem Ur-Gassenhauer im Nichts nachsteht. Mit „Roter Stern“ gibt man Herrn Hansi Kürsch [BLIND GUARDIAN] die Gelegenheit, das erste Mal in seiner Karriere einen deutschen Text zu singen und bei „Flaschenteufel“ dürfen die Freunde von HEAVEN SHALL BURN, die ja eigentlich mit Folkrock soviel zu tun haben wie Ohrenschmalz mit Speiseeis, quasi aus dem Nichts den Hörer mit ihrem Metalcore überraschen. Definitiv ein Novum bei IN EXTREMO, passt aber einfach wie Faust auf Auge. Man haut uns sowohl spaßige Sauflieder um die Ohren, „Sternhagelvoll“ klingt wie eine geile Variante Irish Folk-meets-Torfrock, ebenso widmet man sich diesmal sowohl mit dem Titeltrack als auch mit „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ ernsteren und zeitgenössischen Themen. Beim letztgenannten Track beweisen die Sieben erneut, dass sie in der Lage sind, zwischen fröhlichem Ringelrein auch mal mit melancholischen Momenten für Gänsehaut sorgen können.

Kurzum, es finden sich auf diesem Album kaum nennenswerte Schwächen, IN EXTREMO präsentieren sich so gewaltig, spielfreudig und geerdet wie schon lange nicht mehr. Klangen „Sterneneisen“ und mit Abstrichen auch „Kunstraub“ so, als wolle man sich zwar nicht um jeden Preis, aber dennoch mit Ausdruck verändern oder vielleicht auch ein Stück weit neu erfinden, so kann man mit „Quid Pro Quo“ in der Tat die komplette Bandbreite des bisherigen Schaffens abdecken und mit jeder Nummer einen Treffer landen. Von einem Aufguss vergangener Glanzlichter kann keinesfalls die Rede sein. Vielmehr spielen IN EXTREMO in wahrlich jedem Song ihre absoluten Stärken aus, sogar jene, die man bis dato noch nicht zu kennen glaubte. War nicht unbedingt zu erwarten, aber IN EXTREMO sorgen für eine absolut positive Überraschung und liefern das wohl beste Album ihrer Karriere ab. Hoch die Trinkhörner, ihr Narren!

Frank Wilkens / 04.07.2016

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