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HomeReviewLingua Mortis Orchestra feat. Rage – LMO

Lingua Mortis Orchestra feat. Rage – LMO

Lingua Mortis Orchestra feat. Rage - LMO

 

 

 

 

 

Wertung:

7.0/7

Info:

VÖ: 02. August 2013

Label: Nuclear Blast

Spielzeit: 01:05:37

Line-Up:

Peavey Wagner – Vocals / Bass
Victor Smolski – Guitar
Andre Hilgers – Drums
Jeannette Marchewka – Vocals
Dana Harnge – Vocals

Tracklist:

01. Cleansed By Fire
02. Scapegoat
03. The Devil’s Bride
04. Lament
05. Oremus
06. Witches‘ Judge
07. Eye For An Eye
08. Afterglow
09.Straight To Hell [orchestral version]
10.One More Time [orchestral version]

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„Hexenwerk“

Irgendwie musste es ja so kommen. Da bastelten Peavey und seine damaligen Mitmusikanten von RAGE Mitte der Neunziger das Projekt „Lingua Mortis“ unter Mithilfe eines Orchesters zusammen und schufen somit so etwas wie ein Referenzwerk in Sachen Heavy Metal meets Klassik. Das Ganze wurde dann auch ausgiebig [ich erinnere mich an den Auftritt in Wacken Anno 1997] live vorgestellt und fand durchweg positiven Anklang. Dennoch sollte es damit zunächst genug sein und RAGE konzentrierten sich wieder auf den Metal an sich. Wenig später dann stieß mit Victor Smolski ein Gitarrist zur Band, dessen Wurzeln ursprünglich eben in der Klassik liegen.

Daher der einleitende Satz, der Kreis schließt sich. Früher oder später würde eine Fortsetzung des RAGE-meets-Klassik Projektes folgen. „LMO“ ist allerdings weit mehr als das, was man vielleicht erwartet hätte. Denn diesmal haben RAGE nicht einfach nur ihre Hits auf Klassik getrimmt [sieht man mal von „Straight To Hell“ und „One More Time“ ab, die sozusagen als Beiwerk fungieren], sondern ein völlig neues Konzept entwickelt. Komponistensohn Victor Smolski schuf eine völlig geniale musikalische Reise, die den Hörer von den ersten bis zu den letzten Klängen in den Bann zieht [Lediglich bei “The Devil’s Bride” und “Eye For An Eye” mischte Peavey kompositorisch mit]. Erstaunlicherweise wird dabei das Ohr des Hörers erst einmal auf eine relativ falsche Fährte geführt, denn die ersten Töne werden vom wenig „klassischen“ Instrument Didgeridoo erzeugt [ebenso wie die letzten Töne von „Afterglow“]. Irreführend deshalb auch, weil Peavey sich textlich mit einer Geschichte beschäftigt hat, die so gar nichts mit dem Herkunftsland dieses Instruments zu tun hat. Es geht nämlich thematisch um Hexenverbrennungen im mittelalterlichen Gelnhausen um 1599. Das Ganze wie gesagt eingebettet in ein bis ins Detail durchdachtes Konzept, welches aber dem Hörer dennoch jederzeit Spielraum für die eigene Phantasie bietet. In dieses Album musst du dich hineinfallen lassen, es einwirken lassen und dich der Magie voll und ganz ergeben. Sicher, eine gesunde Portion „typischer“ RAGE-Stoff darf nicht fehlen, dafür sorgt zum Beispiel „Witche’s Judge“. Paradesongs sind allerdings das einleitende „Cleansed By Fire“, die Ouvertüre gewissermaßen. Was allein schon in diesem Song auf einen herniederprasselt, reicht aus, um „LMO“ bedenkenlos zu einem der ganz großen Highlights des Jahres zu küren. Kaum ein Moment der über zehn Minuten Spieldauer vergeht ohne irgendeine Überraschung und dennoch muss sich niemend ernsthafte Gedanken darüber machen, der Song könnte überfordernd wirken. Dann ist da ja auch noch „Eye For An Eye“. Das hört man nicht einfach nur. Man wird zu einem Teil des Songs und der Song wird ein Teil von einem selbst. Unübertroffen allerdings ist „Lament“, so etwas wie die Ballade des Jahrzehnts. Mehr Gefühl und musikalisches Fingerspitzengefühl geht eigentlich nicht. Grandiose Nummer, die mich an dieser Stelle daran erinnert, dass mit Jeannette Marchewka und Dana Harnge zwei ausgezeichnete Sängerinnen das Bild mehr als einfach nur abrunden. Hauptakteure dieser komplett ausgereiften Geschichte allerdings, was ich nun auf gar keinen Fall verschweigen darf, sind die Mitglieder immerhin zweier Orchester [aus Weissrussland und Spanien übrigens], die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben. Wenn ich gerade dabei bin, auch Henning Basse [ex-METALLIUM] ist als Gastsänger zu hören. Und natürlich nicht zu vergessen Andre Hilgers, dessen gewohnt souveränes Drumming der Angelegenheit den richtigen Nachdruck verleiht.

Mit Hilfe von Charlie Bauerfeind schraubte Victor Smolski die ganzen Einzelteile dann zusammen. Was letztendlich nicht die einfachste Arbeit darstellte, denn immerhin waren insgesamt über 100 Musiker an dem Projekt beteiligt. Herausgekommen ist ein absolut grandioses Meisterwerk, welches wohl als ein Höhepunkt in der Geschichte der Wechselbeziehung Klassik/Metal gelten dürfte. Und das schreibt immerhin einer, der sich bereits als Jugendlicher statt der damals angesagten Teeniebands lieber mit JON LORDs „Sarabande“ vergnügt hat.

Frank Wilkens / 26.07.2013

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