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HomeReviewNocte Obducta – Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)

Nocte Obducta – Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)

Nocte Obducta - Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)

 

 

 

 

 

Wertung:

5.0/7

Info:

VÖ: 26. Mai 2017

Label: MDD Records

Spielzeit: 00:41:41

Line-Up:

Tracklist:

01. Innsmouth Hotel
02. Die Kirche der wachenden Kinder
03. Trollgott
04. Totholz
05. Ein stählernes Lied
06. Liebster
07. Wiedergaenger Blues

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„“Die Ferne hat uns wieder / Ruft in Nebeln uns zum Moor““

Die alte Mainzer Black-Metal-Institution und mich verbindet, angefangen mit dem 1998er Demo, eine lange gemeinsame Geschichte. Bald zwanzig Jahre verfolge ich die Höhen und Tiefen der Band, die Line-Up-Eskapaden, ihre Auflösung, ihre Reunion, und ich kenne wirklich jedes Album. Leider mag ich tatsächlich nicht jedes, aber das mag an meiner hoffnungslos nostalgischen Seele liegen. Tatsächlich glaube ich aber, dass die ersten vier Alben, und Teile der „Nektar“-Alben den Kern dessen, was NOCTE für mich bedeuten, am deutlichsten zeigen. Dahin möchten Marcel und sein mittlerweile stabiles Line-Up nach Jahren eher stiloffener Alben mit „Totholz“ hörbar zurück. Dafür sprechen jedenfalls die vielfältigen lyrischen und kompositorischen Querverweise auf frühere Werke.

Bei solchen Vorhaben bin ich zumeist skeptisch. Schlicht gesagt: Man schreibt eben mit 40 andere Musik als mit 20, und etwas anderes zu erwarten, wäre vollkommen realitätsfern. Marcel schafft es auf dem wohl verhältnismäßig spontan aufgenommenen „Totholz“ (weniger als ein Jahr nach „Mogontiacum“) allerdings, ein gutes Stück des chaotischen, düsteren Flairs der Anfangstage zurückzuholen. Nach dem Eintritt durch das düstere „Innsmouth Hotel“ befindet man sich in der „Kirche der wachenden Kinder“, einem von „Taverne“-artigen Leadgitarren, flächigen 90er-Keyboards und Hammondorgel, Kreischgesang und viel Dynamik geprägten Stück. Meinem Empfinden nach in seiner latenten Zerfahrenheit kein idealer Opener und gegenüber dem folgenden „Trollgott“ auch der weniger griffige Song, wenn auch eine deutliche Ansage: Mit Psychedelic Rock möchte „Totholz“ anfangs weniger am Hut haben als mit Black Metal. Das macht der finster rockende „Trollgott“ mit Nachdruck klar, der nach ein paar Hördurchgängen mit dem knackigen „Schwarzmetall“-Vibe zu einem echten Ohrwurm mutiert. Der im Zentrum stehende Titelsong verbindet dann stilistisch die eher metallische erste und die eher softe, verspielte zweite Hälfte des Albums und entpuppt sich als düsteres Vintage-Rock-Stück mit viel Effektspielerei (ähnlich wie das kürzere, aber deutlich schwerer zu greifende „Ein stählernes Lied und das ziemlich blass bleibende „Liebster“).

Im Schlussakkord des Albums verlieren sich NOCTE OBDUCTA im lange angekündigten „Wiedergänger Blues“, einem fünfzehnminütigen Monster, an dem sich sicherlich die Geister scheiden werden und das weit mehr als ein Drittel der Albumspielzeit einnimmt. Ein episches Werk wie „Pan spielt die Flöte“ verbirgt sich hinter dem stiluntypischen Titel nicht. Stattdessen verlangsamen eine dezente Klaviermelodie, Akustikgitarre und Lagerfeuer-Chöre den Albumfluss deutlich, bis sich das Stück nach rund fünf Minuten zu etwas aufbaut, das ich am liebsten mit „KYUSS meets PINK FLOYD im Probenkeller von NOCTE“ bezeichnen möchte. Mit Blues hat das meinem Verständnis nach (leider!) nichts zu tun, muss es aber auch nicht. Das Stück mag seine Qualität haben und steht dann am Ende doch in der Tradition stiller, introvertierter Psychedelic-Jams, wie man sie von den letzten drei Alben kennt. Mich packt das trotz seines atmosphärischen Reizes leider nicht. Ich halte mich lieber an die erste, wirklich reizvolle Hälfte und komme zu dem Schluss, dass mir „Totholz“ von den letzten vier Alben vermutlich das liebste ist. Bei einem nostalgischen Musiknazi wie mir geht das durchaus als ernstgemeintes Kompliment durch.

Florian Dammasch / 25.05.2017

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