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HomeReviewRoadrunner United – The Allstar Sessions

Roadrunner United – The Allstar Sessions

Roadrunner United - The Allstar Sessions

 

 

 

 

 

Wertung:

4.5/7

Info:

VÖ: 07. Oktober 2005

Label: Roadrunner Records

Spielzeit: 00:00:00

Line-Up:

Tracklist:

1.The Dagger
2.The Enemy
3.Annihilation By The Hands Of God
4.In The Fire
5.The End
6.Tired ‚N Lonely
7.Independent (Voice Of The Voiceless)
8.Dawn Of A Golden Age
9.The Rich Man
10.No Way Out
11.Baptized In The Redemption
12.Roads
13.Blood & Flames
14.Constitution Down
15.I Don’t Wanna Be (A Superhero)
16.Army Of The Sun
17.No Mas Control
18.Enemy Of The State

+ DVD feat.

1.Intro – Making Of The Album (Video)
2.Roadrunner – Making Of The Album (Video)
3.Dino Sessions – Making Of The Album (Video)
4.Robert Sessions – Making Of The Album (Video)
5.Matthew Sessions – Making Of The Album (Video)
6.Joey Sessions – Making Of The Album (Video)
7.End Credits – Making Of The Album (Video)

Amazon

„Viele Köche versalzen nicht immer den Brei“

Wäre dieses Album ein Film, wären Dino Cazares (Ex-FEAR FACTORY), Joey Jordison (SLIPKNOT), Matt Heafy (TRIVIUM) und Robert Flynn (MACHINE HEAD) die Regisseure des Streifens Namens ROADRUNNER UNITED „The Allstar Sessions“. Alle vier haben am Drehbuch mitgewirkt und mitgeschrieben und auch einzelne Passagen in ihrem Film selbst übernommen.

Wie in jedem Film, haben sich auch hier verschiedene Licht- und Tontechniker, Kameramänner und Kabelträger, Haupt- und Nebendarsteller eingefunden um einen ganz besonderen Leckerbissen zu drehen. Auch wenn die Liste der Mitarbeiter dieses Projektes jedem Cineasten das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen sollte, hält die Riege leider nicht, was sie verspricht.

Der Film ist in 18 Episoden unterteilt und in jeder treten verschiedene Darsteller und auch Techniker zusammen um jeder Episode ein ganz besonderes Flair zu verleihen. Mal hart, mal soft wird hier ein Bildregen auf den Zuschauer niedergehen. Regisseur Robert Flynn tat gut daran, die Anfangssequenz ins rechte Bild zu setzen, hämmert „The Dagger“ doch gleich ordentlich auf den Zuschauer ein. Hauptdarsteller Howard Jones (der schon den letzten Film von KILLSWITCH ENGAGE mit seiner Anwesenheit beehrte) ist eine Bereicherung für diesen Hassbrocken. Aber auch Regiemensch Flynn lässt es sich nicht nehmen, in dieser Episode sein Stelldichein zu liefern und liefert sich einen Klasse Dialog mit Jones. Die Teile „The Enemy“ und „Annihilation By The Hands Of God” zeigen die angegebene Marschrichtung des Blockbusters an und die Protagonisten Mark Hunter und Glenn Benton veredeln nur durch ihre Anwesenheit den Teil des Filmes, der locker „Bad Boys III“ sein könnte, sprich Action voll auf die Glocke.

So weit so gut, das Popcorn schmeckt prima, die Handlung war bis jetzt nicht das anspruchvollste aber der Wumms auf der Leinwand entschädigt alles und dann tritt King Diamond als Hauptdarsteller auf. Es gibt viele, die ihn als einen super Schauspieler empfinden aber ich habe vor Schreck meine Gummibärchen auf den Kinosaal fallen lassen, als er mit seiner herzzerreißenden Theatralik beginnt. Die Tontechniker machen zwar bei „In The Fire“ alles richtig, aber Herr Diamond ist eine Fehlbesetzung für diese Episode.
Herzschmerz gibt es auch bei „The End“, bei dem Regisseur Matt Heafy selbst den Hauptmonolog übernimmt (wobei Herzschmerz im positiven Sinne zu verstehen ist; dieser Bursche hat eine große Karriere vor sich).

„Tired ‚N Lonely“ will sich auch nicht so recht in das ganze filmische Konzept anpassen. Zwar ist Darsteller Keith Caputo einer der besten Schauspieler, die das moderne Kino hervorgebracht hat aber wenn man überlegt, was Regisseur Joey Jordison schon für Werke auf Zelluloid gebannt hat, dann ist das doch eher einer seiner schwächeren Filme. Am ehesten mit „Buena Vista Social Club“ vergleichbar.
Dafür beweist Tonangeber Robert Flynn bei Episode Sieben („Independent (Voice Of The Voiceless“)), welches Gespür er für lateinamerikanische Schauspieler hat, hüpft doch Max Cavalera himself durchs Bild und schreit den Zuschauer in Grund und Boden.

Dann wird es im Saal auf einmal düster, als die Krächz-Flattermaus Dani Filth das Parkett betritt und laut keifend einen auf Dracula macht. Selten hat Filth so gut auf der Leinwand ausgesehen. Der Lichttechniker beleuchtet das Set perfekt und die Tontechnik verwöhnt das Ohr mit harten Klängen. „Dawn Of A Golden Age“ ist ganz klar eine der besseren Episoden dieses Filmes.
Als Independent-Film-Liebhaber errät man nach den ersten drei Klängen sofort, dass Rob Flynn auf dem Regiestuhl saß. Und genau da liegt das Problem bei „The Rich Man“. Er ist zu vorhersehbar. Protagonist Corey Taylor leistet gefühlstechnisch ganze Arbeit aber diese Episode hätte auf jedem anderen Film von Flynn auch drauf sein können.
Bei „No Way Out“ werden sich alle Geister scheiden, die auf intelligente und moderne Filme stehen. Auf der einen Seite ähnelt diese Episode einem Science Fiction – Streifen, mit viel Spezialeffekten (für die sich JUNKIE XLverantworten müssen) und auf der anderen Seite ist es doch ein erfrischendes Stück Film, den man so nicht erwartet hätte. Aber so ausgefallen dieses Stück auch wirkt, es passt leider überhaupt nicht in das Gesamtkonzept des Filmes.
Wer aber warten kann oder ein Kapitel weiter vorskipt, wird mit „Baptized In The Redemption“ entschädigt, bei dem Dez Fafara einen Dschungelkrieg zu führen scheint. Es hagelt Napalm und Splitterbomben, als ob Ford Coppola im Stuhl hocken würde. Beide Daumen nach oben.

Episode Nummero 12 ist ein ganz besonderer Moment. Mikael Åkerfeldt (der letzten Monat mit „Ghost Reveries“ einen der besten Filme des Jahres abgeliefert hat) veredelt mit seinem Organ den Monolog von „Roads“ und gilt wohl als die „Romeo und Julia“ Szene in der „Allstar Session“.
Jesse David Leach als Darsteller für den Klassiker unter den Episoden „Blood and Flames“ zu wählen, entpuppt sich nach Öfteren anschauen dieses Aktes als wirklich gelungen und beweist, dass auch Retro-Schnipsel modern aussehen können.

Wo hat man bitte Ex-Hauptdarsteller Kyle Thomas ausgegraben? Nach den Independent-Erfolgen von „The Law“ und „Slaughter In The Vatican“ hat man so gut wie nichts mehr von ihm gesehen aber umso schöner ist es, dass er doch wieder vor die Kamera getreten ist um bei „Constitution Down“ genau da weiterzumachen, wo er damals aufgehört hatte: gute Bühnenpräsenz ohne jeglichen Kompromisse.
Aber die Wiedersehenstour geht weiter, hat sich ein alter Bekannter des Horrorfilmgenres bei „I Don’t Wann be (A Superhero)“ eingeschlichen. Michael Graves ist zurück und zeigt jedem Möchtegern-Lugosi, was wirklicher Horror bedeutet. Regisseur Matthew K. Heafy weiß eben, wie man seinen Hauptdarsteller in rechtes Licht rückt. Ein punkiger Touch verleiht dieser Episode die richtige Würze. Wer Tank Girl mochte, wird dieses Kapitel lieben.

Kapitel 16 ist im Begeleitheft mit „Army Of The Sun“ tituliert und zieht irgendwie an einem vorbei. Mag sein, dass man von den vorherigen Szenen etwas zu übersättigt zu sein scheint. Protagonist Tim Williams macht zwar wirklich eine gute Figur und verleiht seinem Charakter das gewisse etwas aber man merkt langsam, wie die linke Pobacke einschläft und wünscht sich, dass die End-Credits über die Leinwand flimmern.

Aber halt, wer jetzt noch schnell vor der Schlusspointe aufs Klo gehen würde, verpasst eine sehr gute Szene des Films. „No Mas Control“ ist eine Symbiose aus „Tequila Sunrise“ und „Terminator“. Sanft schmeichelnd, hinterhältig und zugleich tödlich. Cristian Machado weiß, wie er seiner Rolle das Gewisse etwas verleiht. Ganz großes Kino.
Um den Kinoabend ausklingen zu lassen hat Regisseur Jordison Pete Steele engagiert um allen einen guten nach Hause weg zu wünschen. „Enemy Of The State“ ist die perfekte Endszene dieses doch etwas zu durchwachsenen Filmes.

Die „Allstar Session“ hat genau das gleiche Problem, wie etwa die neuen Star Wars Filme: alle würden gerne eine epische Geschichte erzählen und dabei dennoch nicht den Tiefgang und die Spannung missen. Bei einigen Kapiteln wird das auch erreicht aber im Endeffekt zählt der Gesamtkontext. Für einen Academy Award reicht es nicht, aber ein MTV-Movie Award ist schon drin.

/ 20.10.2005

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