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HomeReviewSólstafir – Berdreyminn

Sólstafir – Berdreyminn

Sólstafir - Berdreyminn

 

 

 

 

 

Wertung:

6.0/7

Info:

VÖ: 26. Mai 2017

Label: Season Of Mist

Spielzeit: 00:57:25

Line-Up:

Aðalbjörn Tryggvason: Gitarre, Gesang
Svavar Austmann: Bass
Sæþór Maríus Sæþórsson: Gitarre
Hallgrímur Jón Hallgrímsson: Schlagzeug, Hintergrundgesang

Tracklist:

01. Silfur-Refur
02. Ísafold
03. Hula
04. Nárós
05. Hvít Sæng
06. Dýrafjörður
07. Ambátt
08. Bláfjall

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„Sonnenschein und Suizid!“

Das Ringen um originelle Einstiege nimmt kein Ende. Jetzt schon wieder die tatsächliche oder herbeischwadronierte Verbundenheit von SÓLSTAFIRs Musik mit der isländischen Landschaft ins Spiel bringen? Als hätte der Eyjafjallajökull oder ein anderer Eisklotz-Vulkan-Hümpel mal einen Gitarrenverstärker oder ein paar Fuzz-Pedale gekalbt! Jetzt abermals die vielzitierte schrullige liebenswerte Art des Inselvölkchens besingen? Als ob es gute Leute ebenso wie Arschlöcher nicht überall auf dem Planeten gäbe. Oder die archaische, komplizierte Sprache, die sogar dem Wetterbericht eine mystische Dimension verleiht?* Funktioniert aber meiner Erfahrung nach auch mit allen anderen Sprachen, die man nicht versteht.

Alles legitime Arten, eine Rezension zu SÓLSTAFIRs neuer Langrille „Berdreyminn“ zu beginnen. Muss ja auch nicht zwanghaft originell sein. SÓLSTAFIR selbst gehen da mit gutem Beispiel voran – gleich der Opener „Silfur-Refur“ zeigt, dass „Berdreyminn“ ein SÓLSTAFIR-Album reinsten Wassers ist. Der Stil der Band ist und bleibt unverkennbar, solange ein paar wichtige Elemente nicht zu kurz kommen – beispielsweise die isländischen Texte, Aðalbjörn Tryggvasons leidend-leidenschaftlicher Gesang und ein gewisses verwittertes Western-Feeling in den Gitarren. Alles gleich in „Silfur-Refur“ da, wie gesagt, und auch bei den sieben anderen Songs vorhanden. Was „Berdreyminn“ mit am deutlichsten von seinem Vorgänger „Ótta“ unterscheidet, ist tatsächlich der Wechsel am Schlagzeugschemel. Den besetzt nach Guðmundur Óli Pálmasons Rauswurf Hallgrímur Jón Hallgrímsson, der seine Sporen bei unter anderem TENDERFOOT und JEFF WHO verdient hat und dessen Spiel eine neue Klarheit in den traditionell verwaschenen SÓLSTAFIR-Sound bringt. Was gut ist, um „Berdreyminn“ unter dem reichlichen Einsatz von Streichern und Orgel nicht den Drive verlieren zu lassen. Dass der Mann seine [sichtbaren] Wurzeln nicht im Metalbereich hat, ist angesichts eines Songs wie „Ísafold“ natürlich ein gefundenes Fressen. Unglaublich eingängig, das Teil – außerdem mit harter Achtziger-Pop-Schlagseite und teilweise schon diskomäßigem Beat.

Die reinste Frechheit also. Dabei aber außerdem auch verdammt gut, und zusammen mit „Nárós“ einer der Gute-Laune-Hits auf dem neuen Album – das übrigens insgesamt sehr gut reinläuft, aber trotz seiner vordergründig einschmeichelnden Art so viel Einsamkeit und Verzweiflung ausstrahlt, dass ein irritierender Eindruck entstehen kann. Ein bisschen vielleicht, als ob dir jemand fröhlich zuwinkt und du eher unbewusst registrierst, dass die Hand sechs Finger hat, was aber in dem Moment nicht sofort auffällt. Muss natürlich nicht jedem so gehen, mir allerdings hat diese Irritation eine ganze Zeit den Zugang zu „Berdreyminn“ erschwert. Umso froher bin ich, dass ich ihn gefunden habe. Wie bei SÓLSTAFIR so oft gilt auch für „Berdreyminn“: Dranbleiben lohnt sich!

*Vorausgesetzt man hat nur die korrekte Aussprache von Eyjafjallajökull gelernt, nicht zuviel Zeit bei Icelandic Online verbracht und versteht daher nicht, dass einfach mal wieder Scheißwetter angesagt ist.

Lennart Riepenhusen / 29.05.2017

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