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HomeReviewTriptykon – Melana Chasmata

Triptykon – Melana Chasmata

Triptykon - Melana Chasmata

 

 

 

 

 

Wertung:

5.5/7

Info:

VÖ: 14. April 2014

Label: Century Media

Spielzeit: 01:07:24

Line-Up:

Tom Gabriel Warrior – Gesang, Gitarre
V. Santura – Gitarre, Gesang
Vanja Slajh – Bass, Gesang
Norman Lonhard – Drums, Percussion

Tracklist:

01. Tree Of Suffocating Souls
02. Boleskine House
03. Altar Of Deceit
04. Breathing
05. Aurorae
06. Demon Pact
07. In The Sleep Of Death
08. Black Snow
09. Waiting

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„Stark, aber knapp am Ziel vorbei“

Am Erscheinungsdatum verschiedener Metal-Alben kann man hin und wieder recht gut ablesen, wie schnell die Zeit vergangen ist beziehungsweise wie alt man schon geworden ist. Als ich die Promo zum neuen TRIPTYKON Album „Melana Chasmata“ bekommen habe, dachte ich, dass Tom G. Warrior und seine Band dieses Mal aber schnell mit einem neuen Album um die Ecke gekommen sind. Welch grober Irrtum! So ist der Vorgänger und das TRIPTYKON Debüt „Eparistera Daimones“ tatsächlich schon im Jahre 2010 erschienen. Vier Jahre also ist es her, dass TRIPTYKON diesen schwarzen und beengenden Monolithen auf die Welt losgelassen haben und damit Fanherzen im Sturme erobert haben – vollkommen zurecht hat dieses starke Album bei uns damals 6 Punkte eingeheimst. Nun also soll „Melana Chasmata“ an diese Leistung anknüpfen.

Mit über einer Stunde Musik und einem ästhetisch großartigen Artwork von H.R. Giger sind die formalen Kriterien von „Melana Chasmata“ wieder einmal auf Topniveau und führen den bisher eingeschlagenen Weg konsequent fort. Wie aber sieht es auf der musikalischen Seite aus? Mit einem Wort: anders. „Melana Chasmata“ beginnt nämlich mit einem Paukenschlag und zwar mit dem an Thrash Metal [irgendwie an neuere KREATOR] erinnernden Song „Tree Of Suffocating Souls“, in dem TRIPTYKON gleich einmal zum Headbangen einladen. Nichts ist es dieses Mal mit einer gemütlichen und stimmungsvollen Einleitung á la „Goetia“. Aber natürlich kein schlechter Song – gerade der quasi gesprochene Mittelteil baut eine schöne Atmosphäre auf –, wenn auch etwas zu direkt und zu vorhersehbar. Aber schauen wir weiter. „Boleskine House“ erwartet uns als Nächstes und hier finden wir den düsteren und ruhigen Anfang, ein nahezu sanftes Eingrooven in die okkulte Düsternis, in die uns Tom G. Warrior und seine Band entführen wollen. Das „Duett“ zwischen Fischer und Gastsängerin Simone Vollenweider, die man auch schon auf der abschließenden CELTIC FROST Scheibe hören konnte, funktioniert großartig. Immer wenn die weibliche Stimme einen aus der Dunkelheit ans Licht holt, greift Tom G. Warrior wieder ein und reißt einen zurück in die ewige Schwärze. Hier hört man die ganze Klasse von TRIPTYKON heraus – sowohl was die individuellen Fähigkeiten der MusikerInnen an ihren Instrumenten betrifft, als auch was das Songwriting per se angeht! Mit „Altar Of Deceit“ geht es schleppend und doomig weiter, bevor man ab Minute 4 die Düsternis etwas zurückfährt und dem Hörer, der Hörerin mithilfe von einer luftigen Gitarrenarbeit und Ambientsounds etwas Luft verschafft. Diese Pause hält allerdings nur bedingt an, denn auch wenn „Breathing“ langsam startet, wird bald die Keule ausgepackt und die Thrash Metal Elemente von „Tree Of Suffocating Souls“ werden wieder ausgepackt. Hier klappt es aber irgendwie besser; es wirkt befreiend, der Song scheint sich am richtigen Ort auf der Platte zu befinden, um seine Wirkung wirklich entfalten zu können. Nachdem man fast 15 Minuten lang in den Abgrund gezogen wurde [„Boleskine House“ und „Altar Of Deceit“] braucht es diese befreiende Wut, diese metallische Raserei. Da kommt natürlich auch ein fettes Gitarren-Solo ganz recht, welches man an dieser Stelle auch einmal nutzen kann, um die Gitarrenarbeit von V. Santura zu loben, der aufgrund des Frontmannes und Masterminds Tom G. Fischer in dieser Band oftmals etwas untergeht. Nachdem TRIPTYKON nun die „Wutkarte“ gespielt haben, stellt sich die Frage, was kommt jetzt? Vielleicht kann man es am besten mit melancholischer Resignation bezeichnen, so als hätte der Wutausbruch nichts genützt – „Aurorae“ ist ein gut sechsminütiger melancholischer und trauriger Track, der – um hier den verhassten Begriff auch einmal zu verwenden – „Post“ Black Metal Züge aufweist und schon fast auf einem Post Rock Album hätte Platz finden können. Wenn dann Tom G. Warrior anfängt zu „singen“: „The mind is tired of war, of misery and pain, a spirit wasting away, in this agony …“ ist alles gesagt, was diesen Song auszeichnet. Ich kriege auch beim zehnten Mal Hören noch eine Gänsehaut! Mit „Demon Pact“ haben TRIPTYKON dann noch einen bewährten Doomer im Angebot, bevor der Achtminüter „In The Sleep Of Death“ beginnt, der aufgrund der verzweifelten und zerbrechlichen Vocals und der ständigen Anrufung von „Emily“ aus diesem Album etwas ausschert. Der Song ist gut gemacht, aber nicht unbedingt ein Highlight von „Melana Chasmata“. Mit „Black Snow“ haben TRIPTYKON dann noch einen ähnlich monumentalen Track ähnlich „The Prolonging“ in der Hinterhand; und auch wenn er dieses Mal nur gute 12 Minuten lang ist, wird er sämtliche TRIPTYKON-Fans befriedigen, da er über alle relevanten Charakteristika der Band verfügt. Den Abschluss bildet dann das ruhige und – wenn man denn unbedingt will – „gothicmäßige“ „Waiting“, welches in vielen Foren als das „My Pain“ der „Melana Chasmata“-Scheibe bezeichnet wurde. Das stimmt allerdings nur bedingt, auch wenn es natürlich Überschneidungen gibt. „Waiting“ sorgt auf jeden Fall für einen geradezu friedlichen Abschluss des zweiten TRIPTYKON-Albums, das im Endeffekt auch irgendwie befreiend wirkt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass als letzte Zeile des gesamten Albums „We shall be free“ erklingt?

TRIPTYKON setzen auf „Melana Chasmata“ ihren Weg fort, haben die Grundelemente dabei zwar gleich belassen, aber auch einiges Neues und vielleicht sogar Unerwartetes eingebaut. Somit ist „Melana Chasmata“ eine würdige Fortsetzung. Trotzdem zündet hier nicht jeder Song. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich an den Songs liegt oder auch an der Art und Weise, wie diese auf dem Album platziert wurden. Ich halte „Tree Of Suffocating Souls“ für einen eher ungünstigen Opener und auch sonst hat man beim zweiten TRIPTYKON-Album etwas das Gefühl, als sei der rote Faden nicht so klar zu erkennen wie bei „Eparistera Daimones“. Nun ist es natürlich kein Verbrechen ein Album zu machen, das eher wie ein Ansammlung von Songs wirkt als wie ein mächtiger Megalith. Aber war es nicht gerade auch dieses Tüpfelchen auf dem i, das „Eparistera Daimones“ so fantastisch gemacht hat? Songs wie „Aurorae“ und „Boleskine House“ werden mir natürlich noch lange durch den Kopf geistern; aber als organisches Ganzes fällt „Melana Chasmata“ leider etwas hinter den Erwartungen zurück.

Jonathan Jancsary / 19.04.2014

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