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HomeReviewVarg – Rotkäppchen

Varg – Rotkäppchen

Varg - Rotkäppchen

 

 

 

 

 

Wertung:

3.0/7

Info:

VÖ: 09. Oktober 2015

Label: Napalm Records

Spielzeit: 00:46:40

Line-Up:

Philipp „Freki“ Seiler – Vocals/ Guitars
Patrick „Hati“ Zarske – Guitars
Martin „Skoll“ – Guitars
Timo „Managarm“ Schwämmlein – Bass/ Vocals
Silvester „Fenrier“ Grundmann – Drums

Tracklist:

01. Rotkäppchen 2015
02. Ein Tag wie heute
03. Abendrot
04. Red Riding Hood
05. Rødhette
06. Rotkäppchen 2011
07. Rotkäppchen 2015 Karaoke
08. Rotkäppchen im Bierzelt

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„Ein Schauermärchen“

Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Langspielers „Das Ende Aller Lügen“ statten VARG ihrem vielleicht beliebtesten Live-Kracher noch einmal einen Besuch ab. So wird „Rotkäppchen“, das 2011 als Track auf der Bonus-CD des „Wolfskult“-Albums zu finden war, mit einer eigenen EP geadelt. Eine Neuaufnahme des Songs, fünf weitere Versionen eben jenen Tracks und zwei exklusive Lieder, die auch auf dem kommenden Album zu hören sein werden, haben die Coburger ihren Fans zusammengeschnürt.

Die originale Version von „Rotkäppchen“ war auf „Wolfskult“ gut platziert und punktete durch die spontan wirkende Lockerheit und die stark folkige Ausprägung. Und auch die Idee, das Grimm’sche Märchen umzukehren – der Wolf als Opfer einer List des blutrünstigen Mädchens – war interessant und zweifellos gut erzählt. So bewertete auch das Live-Publikum den Track und so wird er auf der Bühne gefeiert. Die 2015 nachgelegte EP „Rotkäppchen“ beginnt mit der Neuaufnahme des Stücks. Im Grunde handelt es sich selbstredend um das gleiche Lied. Lediglich geringe Anpassungen an den aktuellen Sound von VARG wurden vorgenommen – die Marschrichtung für die kommende Langrille scheint den Folk Metal wieder stark im Fokus zu haben. Vor allem aber bekommt „Rotkäppchen“ einen raueren Gesang und eine neue Abmischung, die beide nicht zum Ruhme des Liedes beitragen. Der Neueinspielung fehlt der gut gelaunte, spontane Elan des Originals. Und der Refrain bleibt nun weitgehend schwer verständlich, denn die Frekis Stimme geht im Getöse der Instrumentalfraktion unter. Genauso bleibt es auch beim folgenden „Ein Tag Wie Heute“, für den VARG textlich im Standard-Baukasten für Viking-Metal-Songs gewühlt haben: furchtlose Krieger, zu schlagende Schlachten, ruhmreiche Tage. Nette Nummer mit gutem Solo-Part und viel Heroik. Genau wie das ähnlich gestrickte „Abendrot“, das zweite gänzlich neue Stück auf der EP, ist „Ein Tag Wie Heute“ auf lange Sicht nur auf der EP zu finden und nicht auch auf dem kommenden Album. Die letzten fünf Tracks widmen sich wieder der rotbemützten Märchenfigur. „Red Riding Hood“ und „Rødhette“ übersetzen den VARG-Song ins Englische beziehungsweise ins Norwegische. Das machen die Franken jedoch nicht selbst und so greift bei „Red Riding Hood“ ALESTORM-Mastermind Christopher Bowes am Mikrofon und bei „Rødhette“ gibt sich TROLLFEST die Ehre. Beide Tracks sind sehr befremdlich, doch gerade TROLLFESTs einmaliger Stil bietet gute Unterhaltung und geht damit über die bloße Übersetzung hinaus. Für alle, die von der Melodie-Dauerschleife der „Rotkäppchen“-Hook noch nicht genug haben, haben VARG auch die 2011er Originalversion mit auf den Silberling gepackt. Damals wie heute ein kurzweiliger Spaß. Auch, wenn die Melodie spätestens jetzt endgültig im Gehörgang für alle Zeit verankert und vernietet ist. Ist sie nicht? Gut, dass die Karaoke-Version der Neuaufnahme folgt! Textsicher sein kann man bis hierhin allemal. Und dann? Feierabend, ab ins Bierzelt! Doch, oh weh, wer lauert da? „Rotkäppchen Im Bierzelt“, ein nicht nur überflüssiger, sondern viel zu langer Beitrag. Mehr als 16 Minuten lang wird die Hook des Songs mit den typischen Blaskapelleninstrumenten dargeboten. Kein Gesang und auch keine Abwechslung. Wer diese EP bis zum Ende durchhält, ohne verrückt zu werden oder wenigstens dem Blankliegen der Nerven nahe zu sein, hat Respekt verdient.

Mit der EP „Rotkäppchen“ wird der unterhaltsame Lieblingssong vieler VARG-Konzertbesucher ausgiebig ausgeschlachtet. Die Neueinspielung des Tracks hebt sich leider nicht wirklich positiv vom gerade einmal vier Jahre alten Original ab. Die fremdsprachigen Versionen sind trotz hochkarätiger Gastsänger höchstens eine nette Wartezeitverkürzung vorm neuen Album, das Original ein alter Hut, die Karaoke-Version überflüssig und die Bierzelt-Version allein wegen ihrer Überlänge eine Zumutung. Einzig die beiden wirklich neuen Songs, „Ein Tag Wie Heute“ und „Abendrot“, bieten gutes neues Material, bei dem Pagan-Fans bei Gelegenheit ein Ohr riskieren sollten. Als alleiniger Kaufgrund können sie jedoch nicht ernstlich zu Felde ziehen.

SebyK / 20.12.2015

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