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HomeReviewWardruna – Yggdrasil

Wardruna – Yggdrasil

Wardruna - Yggdrasil

 

 

 

 

 

Wertung:

6.0/7

Info:

VÖ: 22. März 2013

Label: Indie Recordings

Spielzeit: 01:06:14

Line-Up:

Einar Kvitrafn Selvik – Composer, Vocals, All Instruments
Lindy-Fay Hella – Vocals
Gaahl – Vocals

Tracklist:

01. Rotlaust tre fell
02. Fehu
03. NaudiR
04. EhwaR
05. AnsuR
06. IwaR
07. IngwaR
08. Gibu
09. Solringen
10. Sowelu
11. Helvegen

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„Starker Nachfolger!“

Gut und gerne vier Jahre hat es gedauert, bis WARDRUNA um Multinstrumentalist und Hauptsongwriter Einar „Kvitrafn“ Selvik sowie bestehend aus Kristian „Gaahl“ Espedal und Lindy-Fay Hella nun in Form von „Yggdrasil“ den zweiten Teil ihrer „Runaljod“-Trilogie vorlegen.

Wobei sich grundsätzlich natürlich nicht sonderlich viel am erfolgreichen und spannenden Konzept geändert hat, denn auf dem zweiten Studioalbum der Norweger werden die nächsten acht Runen des älteren Futhark, dem ältesten bekannten Runenalphabet, vertont und um ein drei weitere Stücke bzw. Intros/Überleitungen angereichert. Rein musikalisch lässt sich feststellen, dass WARDRUNA zwar wie der Schuster bei seinen Leisten bleibt, aber zum Glück nicht einfach „nur“ „Gap Var Ginnunga – Teil 2“ aufgenommen haben, was allein schon aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften der jeweiligen vertonten Runen kaum möglich gewesen wäre. „Yggdrasil“ zeigt sich somit gereifter, vielschichtiger, etwas dynamischer als der Vorgänger und auch eine Spur bombastischer, während beim großartigen „Solringen“ auch Parallelen zu den göttlichen DEAD CAN DANCE herauszuhören sind. Sprich: Jedes Stück passt wunderbar in das Gesamtwerk „Yggdrasil“, weist aber jede Menge eigenen Charakter und Stimmungen auf, um als eigenständiges Stück für sich selbst stehen zu können. Da wären das treibende „Fehu“, dann wiederum das Ritual/Dark Ambient-lastige „NaudiR“, das hypnotisch-beschwörende „AnsuR“ oder auch das abschließende, sehr hymnenhafte „Helvegen“ und eine ausnahmslos alle Lieder durchziehende tiefe Spiritualität, die schlichtweg grundehrlich, sympathisch und bodenständig jenseits jeglicher Klischees wirkt. Nicht nur einmal fühlt sich der Hörer auf schneebedeckte Bergkuppen, in dichte Wälder, an lodernde Lagerfeuer und in die Gewalt der unerbittlichen, aber gleichermaßen wunderschönen Natur versetzt – die moderne Hektik, das Chaos, der Zeitdruck haben hier für etwas mehr als eine Stunde keinen Bestand mehr. Irgendwie wirkt „Yggdrasil“ hierdurch angenehm anachronistisch und minimalistisch, da es erneut natürlich keine elektronisch verzerrten Instrumente zu hören gibt. Alles ist selbst erzeugt, größtenteils auf alten traditionellen Instrumenten, wobei diesmal die Perkussionselemente etwas mehr im Vordergrund stehen und gemeinsam mit Drone-artigen Elementen sowohl verzaubern als auch für mehr Bombast sorgen [„IwaR“]. Hinzu kommen eine sehr gelungene, naturverbundene Aufmachung und eine großartige, sehr klare und transparente Produktion [übrigens ebenfalls von Einar Selvik], die den teils im Freien bzw. auch unter extremen Wetterbedingungen eingespielten Stücken jede Menge Freiheit, aber auch gleichzeitig den nötigen Druck verleiht, sodass man sich „Yggdrasil“ nur schwerlich entziehen kann. Wem das noch nicht reichen sollte, demgegenüber sei noch die Zusammenarbeit mit den beiden isländischen Künstlern/Sängern Hilmar Örn Hilmarsson und Steindór Andersen erwähnt, die neben den protonordischen und altnorwegischen Texten noch isländische Zeilen und Reime beisteuern und somit das Projekt WARDRUNA über die norwegischen Grenzen hinausblicken lässt und dem Ganzen einen angenehm „gesamtnordischen“ Anstrich gibt.

Fazit: Mit „Yggdrasil“ legen WARDRUNA ein musikalisch erwartungsgemäß nicht grundlegend anderes, d.h. das Rad wird hier bewusst nicht neu erfunden, aber dafür in seinen Nuancen erkennbar eigenständiges und sich somit auch vom Debütalbum abhebendes zweites Album ab, das mit sehr guten Liedern und Ideen zu punkten weiß. Insgesamt ergibt sich somit ein wunderbares, authentisches und stimmungsvolles Ganzes, das – zum Glück – viel Zeit erfordert und auch erhalten sollte, denn konventionelle Songstrukturen, -eingängigkeit und -maßstäbe lassen sich hier bewusst nicht anlegen. Klare Kaufempfehlung und gleichzeitig die Hoffnung, dass wir bis zum dritten Teil von „Runaljod“ nicht wieder vier Jahre warten müssen – aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben, und das ist im Falle von WARDRUNA auch sehr gut so!

Alexander Eitner / 20.03.2013

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